| Deutscher Katholikentag
Hamburg 2000
Von Dieter Herberhold ausgewählte Beiträge, als
Mitbringsel vom Katholikentag, zum Thema Gemeinde und Kirche der Zukunft:
| Samstag, 3. Juni 2000
Pressebericht aus dem Pressezentrum des Katholikentags zur Podiumsdiskussion
Der
Pfarrer geht - die Gemeinde bleibt
Wenn der Pfarrer geht, bleiben die Ehrenamtlichen
Bischof Kamphaus und Paul Zulehner über die Kirche der Zukunft
Den hohen Stellenwert der Ehrenamtlichen in der Kirche der Zukunft haben der Wiener
Pastoraltheologe Paul Zulehner und der Limburger Bischof Franz Kamphaus hervorgehoben. Vor dem Hintergrund
des zunehmenden Priestermangels diskutierten sie am Samstagmorgen mögliche Konsequenzen für die Gemeinden.
"Es wäre zu kurzfristig geplant, wenn wir nur eine hauptamtliche Struktur im Auge hätten",
betonte Kamphaus. Eine zukunftsfähige Kirche müsse daher die Ehrenamtlichen in ihre Überlegungen
einbeziehen. Zulehner sagte, die Kirchengemeinde von morgen lebe aus der Kraft jeder einzelnen Person, die
von Gott hinzugefügt sei. Grundsätzlich gebe es keine Unberufenen. Die Kirche lebe von Menschen, die
"randvoll" sind mit dem Evangelium und daraus ihre Arbeit mit anderen Menschen gestalteten.
Für die Zukunft der Gemeinde gibt es laut Zulehner nur zwei Wege: entweder sie
entwickelt sich oder sie wird sterben. Um sich zu entwickeln, empfahl der Wiener Theologie-Professor den
Verantwortlichen, eine klare Vision vor Augen zu haben. Für die Menschen im Land müsse klar sein, dass die
Kirche menschen- und gottnah sei. Amtlich berufene Priester seien in einer solchen gläubigen, lebendigen
Gemeinde dennoch vonnöten. So sorgten sie etwa dafür, dass die Gemeinden in der Spur des Evangeliums
blieben. Angesichts der Zusammenlegung von einzelnen Gemeinden zu Seelsorgeeinheiten wurden auf dem Podium,
sowie in filmischen Statements, Befürchtungen laut, die Pfarrer könnten künftig in erster Linie nur noch
für die Sakramente zuständig sein. Der Autor und spirituelle Begleiter Pièrre Stutz
(Neuchatel/Schweiz) forderte die Priester auf, sich mit der "spirituellen Kraft der Verweigerung"
gegen eine solche "Engführung der Gemeindepastoral" zu wehren. Die Gemeinde selbst dürfe nicht
zu schnell bereit sein, Notlösungen anzunehmen.
Nach Ansicht von Kamphaus bringe die Diskussion darüber, ob es nur ehelose Pfarrer
geben dürfe und ob Frauen zum Diakonat zugelassen werden sollten, die Gemeinden nicht weiter. Viel
wichtiger sei die Frage, wie es gelinge, von einer verwalteten zu einer Kirche um Gottes und des Menschen
Willen zu kommen. Michael Böhnke vom Aachener Generalvikariat drückte die Sorge aus, dass die
Umbruchssituation dazu führen könne, dass die Gemeinden den noch zur Verfügung stehenden Pfarrern
angepasst würden. Vorgestellt wurden bei der Veranstaltung die Beispiele der Bistümer Limburg und Aachen,
wo nach Canon 571 vielerorts so genannte Pfarrbeauftragte all jene Dienste des Seelsorgers übernehmen, für
die keine Priesterweihe notwendig ist - bis hin zu Begräbnisdiensten.
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Projekte des
Passauer Pastoralplans 2000
"Gott und den Menschen nahe" |
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| Übersicht
zur Priorisierung am Hamburger Katholikentag
Wenn Bischof Eder am Pfingstfest 2000 den Gemeinden
seiner Diözese Passau den in dreijährigem zähen Ringen fertiggestellten Pastoralplan übergeben wird,
beginnt dort eine neue pastorale Zeitrechnung.
Während des Abstimmungsprozesses wurden zunächst vier große Bereiche ausgewählt, zu denen dann
konkrete Projekte definiert wurden. Als Bereiche wurden ausgewählt: Gottesnähe, Menschennähe, Personen
fördern, Strukturen entwickeln. Zu diesen vier Bereichen wurden dann wiederum insgesamt neun Projekte
zur Realisierung ausgewählt.
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Bereiche
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Projekte
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| Gottesnähe |
Im Geheimnis Gottes wohnen
Öffentlich Gott bezeugen |
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| Menschennähe |
Beheimaten
In Liebe dienen
Zeit haben |
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| Personen fördern |
Ehrenamtliche fördern
Hauptamtliche qualifizieren und stärken |
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| Strukturen entwickeln |
Strukturen der Seelsorge
weiterentwickeln
Präsent sein in Kultur und Politik |
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GOTTESNÄHE
Projekte:
(1) Im Geheimnis Gottes wohnen
"Die Kirche von Passau überprüft umfassend ihre eigene Art, im Geheimnis
Gottes zu wohnen und fragt, was sie schöpferisch tun kann, damit Menschen ihre eigene Tiefe entdecken und
zum Glauben kommen... Dazu fördert sie kompetente Personen, die andere auf ihrer Suche so begleiten können,
dass ihnen das Geheimnis Gottes eröffnet wird."
 | Im Beten sich Gott öffnen |
 | Das eigene Leben als Geheimnis erfahren |
 | Mit Kirchenfernen und Scheiternden Lebensübergänge
erschließen |
 | Mit Liebe Gottesdienst feiern |
 | Die sonntägliche Eucharistiefeier sicherstellen |
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(2) Öffentlich Gott bezeugen
Im Bistum wird auf allen Ebenen die Qualität des Zeugnisses von Gott gefördert
sowie vernetzt weiterentwickelt.
 | Die Qualität der Predigten sichern (lntensivkurse, Rückmeldung
vor Ort, neue Vorbereitungsformen, Predigertausch) |
 | Religionsunterricht und Schulpastoral weiterentwickeln
(Qualitätsentwicklung‚ Räume) |
 | Für das Zeugnis von Gott vernetzt qualifizieren: in
Familienkatechese, Kindergarten, Religionsunterricht, Jugendarbeit; Aus- und Fortbildung in der Verkündigung |
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MENSCHENNÄHE
Projekte:
(3) Beheimaten
Die Gemeinschaften und Räume der Kirche von Passau sind offen für Menschen, die
eine - auch vorläufige und vorübergehende - Beheimatung brauchen.
 | Gemeindenahe Ehevorbereitung und Ehebegleitung |
 | Raum für junge Familien... |
 | Lebensräume für Jugendliche |
 | Orte für innere Einkehr in Klöstern und Bildungshäusern
(neben der Pfarrei) |
 | Aufnahme von Menschen, die aus der Fremde kommen |
 | Heimat für bisher Diskriminierte z.B.
Wiederverheiratete, gleichgeschlechtlich Liebende |
 | Absichtslose Gastfreundschaft und einladende Atmosphäre |
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(4) In Liebe dienen
Investiert wird nicht nur in den Ausbau der helfenden und politischen Diakonie der
Kirche im Horizont der einen Welt, sondern verstärkt auch in die Vernetzung von Pfarrgemeinde und Caritas.
 | Netzwerke der Mitarbeitenden in Caritas
(Beratungsdienste, Kindergärten) und Pfarrgemeinde |
 | Eintreten für junge Familien, Kinder und Jugendliche |
 | Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Altenarbeit |
 | Eintreten für das Recht auf Lebensentfaltung behinderter
Menschen |
 | Option für die Armen - weltweit |
 | "Exerzitien in Solidarität" |
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(5) Zeit haben
Zeit für heilende Seelsorge wird zu einem vorrangigen Entwicklungsziel allen
kirchlichen Tuns.
 | Seelsorgende müssen erreichbar sein |
 | Seelsorge sucht die Orte des Lebens auf |
 | Ausbau von Besuchsdiensten |
 | Scheidung und Wiederheirat |
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PERSONEN FÖRDERN
Projekte:
(6) Ehrenamtliche fördern
Die Kirche fördert gezielt Maßnahmen, durch die Ehrenamtliche ihre Motivation klären
und stärken, ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und spirituelle Vertiefung erfahren können. Die
Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen wird gefördert, Zuständigkeiten und Kompetenzen werden klargestellt.
 | Fachkundige Unterstützung |
 | Ortsnahe Qualifizierung für Leitungsaufgaben |
 | Förderung der Ehrenamtlichen für die Jugendpastoral
zusammen mit der Pfarrgemeinde |
 | Einführungskurse für neue Dienste |
 | "Oasentage" zum spirituellen Auftanken |
 | Profilierung der Ehrenämter |
 | Entwicklung einer Kultur der Anerkennung |
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(7) Hauptamtliche qualifizieren und stärken
Das Bistum Passau bietet Lernmöglichkeiten und Dienstleistungen an, damit
Hauptamtliche befähigt werden, zielsicher und situationsgerecht zu handeln, Teamfähigkeit und
Kooperationsbereitschaft einzuüben und die Motivation für den pastoralen Beruf zu stärken.
 | Die lnnovation
in der Ausbildung und Berufseinführung anstoßen |
 | Konzept für und
Koordination der Aus- Fort- und Weiterbildung |
 | Beratung und
Supervision |
 | Zur
Personalführung qualifizieren |
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Berufswegplanung |
 | Seelsorgliche
Begleitung für pastorale Mitarbeiter/innen |
 | Förderung der
unternehmerischen Haltung und Eigeninitiative |
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STRUKTUREN ENTWICKELN
Projekte:
(8) Strukturen der Seesorge weiterentwickeln
Die Pfarreien entwickeln sich aus "versorgten" immer mehr zu
eigenverantwortlichen Gemeinden - durch subsidiäre Unterstützung von Dekanat und Diözese. Strukturen der
Zusammenarbeit von Caritas, Pastoral und Kath. Aktion auf und zwischen allen Ebenen werden entwickelt.
Formen der Mitsprache und Mitbestimmung werden rechtlich gesichert, Teilhabe und Beteiligung ermöglicht und
Transparenz bei wesentlichen Vorgängen hergestellt.
 | Pfarrentwicklung: Entwicklung pfarrlicher Kleinprojekte,
Anhörung des PGR und KV bei der personellen Besetzung, Unterstützung der Jugendarbeit vor Ort,
Kooperation zwischen Caritas und Pfarrgemeinden, Kirchliche Erwachsenenbildung zusammen mit den
Bildungswerken.
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 | Dekanatsentwicklung: Haupt- und Ehrenamtlichen entwickeln
zusammen verbindliche Formen der pastoralen Kooperation. Dekane werden dafür qualifiziert. Freistellung
von Mitarbeiter/-innen.
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 | Diözesanentwicklung: Diözese konzentriert ihre
Fachdienste auf die Pfarr- und Dekanatsentwicklung: Projektbezogene Vernetzung von Pastoral, Kath. Aktion
und Caritas; Frauenförderplan; Vernetzung in der Jugendpastoral; Kompetenzbereiche der Räte werden geklärt. |
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(9) Präsent sein in Kultur und Politik
Die Kirche beteiligt sich wirkungsvoll am gesellschaftlichen Geschehen mit breiter
medialer Präsenz. Sie macht sich stark für Zukunftsthemen wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung;
für gerechte Sozial- und Familienpolitik und eine menschliche Gestaltung der Arbeitswelt; sie fördert das
Bewusstsein und solidarisches Handeln für die Eine Welt.
 | Förderung des Religionsunterrichts, Schulpastoral,
Jugendarbeit |
 | Verbände, Gruppierungen schlagen Brücken zum öffentlichen,
politischen Leben |
 | Kirchliche Erwachsenenbildung schafft Räume für
Begegnung und Dialog |
 | Zusammenarbeit mit nichtchristlichen Bewegungen |
 | Ökumenische Zusammenarbeit |
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Thesen zur Gemeindeentwicklung
vorgestellt von der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"
Diskussionsfassung Mai 2000
Gemeinden sind und bleiben wichtige Orte, an denen Menschen Heimat finden können. Dies gilt trotz
zunehmender Abkehr von überlieferten Glaubensvollzügen, zunehmendem Priestermangel, fehlenden
Gottesdienstbesuchern und Zusammenlegungen von Gemeinden.
Schon längst hat ein Umdenkungsprozess und Aufbruch in den Gemeinden begonnen. Wir sind Kirche lädt
alle Reform orientierten Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen ein, über die Zukunft der Gemeinden und
damit über die Zukunft der Kirche in einen Dialog zu treten.
1. Gemeinden in ihrer
Vielfalt sind die Zukunft der Kirche!
Neben den territorial gebundenen Pfarrgemeinden entstehen vielfältige andere
Gemeinden und Gemeinschaften. Diese Entwicklung verändert auch die Kirche und ihre Strukturen.
Das Bild der Kirche wird oft in der schwer auflösbaren Spannung zwischen ängstlichem
Rigorismus und orientierungslosem Liberalismus gesehen. Wird der zunehmende Priestermangel als Chance
verstanden, kann eine neue pastorale Entwicklung angestoßen werden. Maßstab hierfür ist die
menschenfreundliche Botschaft Jesu.
Kirche hat Zukunft in ihren Gemeinden und
Gemeinschaften durch den verantwortlichen Miteinbezug so genannter Laien in Leitungsaufgaben. Im Team
nehmen Frauen und Männer gleichberechtigt Leitungsaufgaben wahr, begleiten sich gegenseitig kritisch
und unterziehen Entscheidungen einem Konsensprozess.
Gemeindeleiter moderieren, delegieren und integrieren. Sie sind in der Lage,
Konflikte in der Gemeinde nach Regeln der Kommunikation auszutragen zu helfen. Geeignete Gemeindeleiter
werden von der Gemeinde gewählt und erhalten vom Bischof im Namen der Gesamtkirche befristet den
Leitungsauftrag.
Die Eigenverantwortung der Gemeinden wird nach dem Subsidiaritätsprinzip gestärkt.
Gemeinden bleiben autonom, auch in finanzieller Hinsicht. Sie erhalten die Kirchensteuer direkt und
tragen bei zu einem Lastenausgleich für übergemeindliche, diözesane Aufgaben.
Territorialgemeinden, die für diesen Entwicklungsprozess bereit sind, haben
schon heute die Möglichkeit, erste Schritte zusammen mit Gemeindeberatern und -beraterinnen zu tun.
Reformkräfte in der Kirche bedürfen für strukturelle Umformungen einer engen Vernetzung
untereinander und wohlwollender Unterstützung seitens der Kirchenleitung.
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2. Gemeinden nehmen Bedürfnisse
der Menschen ganz Ernst!
Die Suche nach Glaubensorientierung und spirituellen Angeboten hat heute
keineswegs abgenommen. Kirche muss sich aber fragen lassen, ob sie den Bedürfnissen heutiger Menschen
noch gerecht wird.
Eine Verurteilung oder Sanktionierung von Menschen, deren Lebensgeschichte
nicht den Normvorstellungen des kirchlichen Lehramtes entspricht, steht Menschen grundsätzlich nicht
zu. Die menschenfreundliche Botschaft Jesu lädt zu gegenseitiger Annahme ein.
Zeitgemäße Gemeindepastoral bezieht die individuelle Lebensgeschichte
wohlwollend mit ein. Gemeinden öffnen sich an ihren Rändern für Ausgeschlossene. Anliegen ist die
Begleitung, nicht die Verurteilung.
Kirche hat Zukunft, wenn sie die Frohe
Botschaft Jesu neu in die heutige Zeit hinein sagt. Dies geschieht als Dialogangebot, nicht als
Belehrung. Die Botschaft ist zu befreien von zeitbedingten, folgenreichen Übersetzungsfehlern im Neuen
Testament. Fehlentwicklungen der kirchlichen Tradition sind zu korrigieren.
Gelingende Gemeindekatechese berücksichtigt in ihren vielfältigen Angeboten
pastoralpsychologische Aspekte. Zukünftige Gemeindeleiter und Gemeindeleiterinnen erhalten diesbezüglich
eine fundierte Ausbildung.
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3. Gemeinden sind Orte
gelingender Gemeinschaft!
Persönlicher Glaubensvollzug ist nach Jesu Vorbild auf Gemeinschaft hin
angelegt. Mittelpunkt dieser Gemeinschaft ist die Mahlfeier. Die Zusammenlegung von Gemeinden mit
unterschiedlicher Entwicklungsgeschichte ist nicht förderlich für einen gemeinschaftlichen
Glaubensvollzug.
Der Appell, Mitverantwortung zu übernehmen, verhallt dort, wo die Möglichkeit
zur Mitentscheidung verweigert wird. Der Priestermangel einerseits und die Festlegung des Vorsitzes bei
der Eucharistiefeier auf den Priester andererseits stellen ein unlösbares Dilemma dar.
Kirche hat Zukunft, wenn die Gemeinden
Entwicklungsmöglichkeiten haben und zur Kommunikation fähig sind.
Damit die gemeinsame Mahlfeier Mittelpunkt gemeindlichen Lebens bleibt, werden
neue ökumenische liturgische Formen entwickelt, die den Auftrag Jesu deutlich zum Ausdruck bringen.
Nicht die Fixierung auf das Amt, sondern das Gemeinschaftserleben und der Bezug zum Alltag stehen im
Vordergrund der Mahlfeier.
Gleichwertigkeit der Dienste in der Gemeinde je nach Charisma fördert die
Geschwisterlichkeit. Gelingende Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch Konfliktfähigkeit und
Dialogbereitschaft.
Der Dialog in der Gemeinde ist geprägt vom Respekt vor der Andersartigkeit
und der Sensibilität für die Bedürfnisse anderer. Hierfür gibt es Kommunikationsregeln, die am
gemeinsamen Gesprächstisch gelten und nicht durch das Veto-Recht Einzelner aufgehoben werden können.
Regelmäßige Supervision von außen sichert die größtmögliche Objektivität
des Leitungsteams und die Nachhaltigkeit der Gemeindeentwicklung.
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4. Gemeinden haben einen
gesellschaftspolitischen Auftrag!
Jesus selbst war politisch, er war Anwalt für Menschen, die der Solidarität,
der Gerechtigkeit und des Friedens bedürfen. Aus einem persönlichen spirituellen Aufbruch entspringt
oft der Wunsch nach Engagement, der durch Gemeinschaftserfahrung verstärkt werden kann.
Kirche hat Zukunft, wenn sie in ihren
Gemeinden parteiisch ist für Ausgegrenzte, für Arme und Rechtlose. Gemeindemitglieder praktizieren
vor Ort Solidarität und Engagement. Hilfreich ist ein klar umrissener, zeitlich begrenzter Auftrag mit
einer angemessenen Absicherung des geleisteten Einsatzes.
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| Ein Rückblick auf den 94. Deutschen Katholikentag
von Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees
der deutschen Katholiken
Entgegen allen Unkenrufen bewies der Deutsche Katholikentag erneut seine
Lebenskraft. Nach Hamburg, wo die Katholiken eine Minderheit in der christlichen Minderheit sind, kamen mehr
Teilnehmer als 1998 zum Jubiläumskatholikentag in dem von katholischer Tradition geprägten Mainz. In
Hamburg, das in besonderer Weise die Säkularisierung und die kulturelle Vielfalt der heutigen Gesellschaft
repräsentiert, entfaltete sich zugleich die Kraft der ökumenischen Geschwisterlichkeit von Christen
unterschiedlicher Konfession und Tradition. Der Hamburger Katholikentag war - auch dies entgegen bis zum Überdruss
wiederholter Behauptungen - ein bedeutsames geistliches Ereignis.
Obwohl die äußeren Bedingungen weniger günstig zu sein schienen als in Dresden
und Mainz, verstärkte sich erneut der Wunsch nach Gottesdienst, Gebet, Besinnung und geistlichem Gespräch.
Der Hamburger Katholikentag war - im Sinne der 1848 begründeten Tradition - ein öffentliches Ereignis. Und
dies im doppelten Sinne: Die Öffentlichkeit ist für Katholikentage der Ort des gemeinsamen christlichen
Zeugnisses, und die Themen des Katholikentages sind Teil der öffentlichen Debatte.
Dass Christen mit wachsendem Nachdruck den Öffentlichkeitsanspruch des Glaubens
vertreten, ist ein - für manche höchst ärgerlicher - Kontrapunkt zur zunehmenden Segmentierung der
Gesellschaft. Was die Christen in Deutschland an den Katholikentagen und Kirchentagen haben, sagte bei der
abschließenden Pressekonferenz mit erfrischender Öffentlichkeit unser Freund Jérôme Vignon von den
Semaines sociales de France: Nirgendwo sonst in der Welt gibt es Ereignisse mit solcher Öffentlichkeitswirkung,
bei denen sich Glauben und Gesellschaft, Kirche und Politik in solch repräsentativer Breite begegnen.
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