St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Deutscher Katholikentag Hamburg 2000

Von Dieter Herberhold ausgewählte Beiträge, als Mitbringsel vom Katholikentag, zum Thema Gemeinde und Kirche der Zukunft:

 

bullet Podiumsdiskussion "Der Pfarrer geht - die Gemeinde bleibt"
mit Bischof Kamphaus und Prof. Paul Zulehner, Pressebericht
bullet Projekte des Passauer Pastoralplans 2000 "Gott und den Menschen nahe"
vorgestellt von der Diözese Passau, u.a. mit Bischof Eder und Prof. P. Zulehner
bullet Thesen zur Gemeindeentwicklung
vorgestellt von "Wir sind Kirche"
bulletEin Rückblick auf den 94. Deutschen Katholikentag
von Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des ZdK
bullet Misereor-Hungertücher 

 

 

Samstag, 3. Juni 2000

Pressebericht aus dem Pressezentrum des Katholikentags zur Podiumsdiskussion

Der Pfarrer geht - die Gemeinde bleibt

Wenn der Pfarrer geht, bleiben die Ehrenamtlichen
Bischof Kamphaus und Paul Zulehner über die Kirche der Zukunft

Den hohen Stellenwert der Ehrenamtlichen in der Kirche der Zukunft haben der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner und der Limburger Bischof Franz Kamphaus hervorgehoben. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Priestermangels diskutierten sie am Samstagmorgen mögliche Konsequenzen für die Gemeinden. "Es wäre zu kurzfristig geplant, wenn wir nur eine hauptamtliche Struktur im Auge hätten", betonte Kamphaus. Eine zukunftsfähige Kirche müsse daher die Ehrenamtlichen in ihre Überlegungen einbeziehen. Zulehner sagte, die Kirchengemeinde von morgen lebe aus der Kraft jeder einzelnen Person, die von Gott hinzugefügt sei. Grundsätzlich gebe es keine Unberufenen. Die Kirche lebe von Menschen, die "randvoll" sind mit dem Evangelium und daraus ihre Arbeit mit anderen Menschen gestalteten.

Für die Zukunft der Gemeinde gibt es laut Zulehner nur zwei Wege: entweder sie entwickelt sich oder sie wird sterben. Um sich zu entwickeln, empfahl der Wiener Theologie-Professor den Verantwortlichen, eine klare Vision vor Augen zu haben. Für die Menschen im Land müsse klar sein, dass die Kirche menschen- und gottnah sei. Amtlich berufene Priester seien in einer solchen gläubigen, lebendigen Gemeinde dennoch vonnöten. So sorgten sie etwa dafür, dass die Gemeinden in der Spur des Evangeliums blieben. Angesichts der Zusammenlegung von einzelnen Gemeinden zu Seelsorgeeinheiten wurden auf dem Podium, sowie in filmischen Statements, Befürchtungen laut, die Pfarrer könnten künftig in erster Linie nur noch für die Sakramente zuständig sein. Der Autor und spirituelle Begleiter Pièrre Stutz (Neuchatel/Schweiz) forderte die Priester auf, sich mit der "spirituellen Kraft der Verweigerung" gegen eine solche "Engführung der Gemeindepastoral" zu wehren. Die Gemeinde selbst dürfe nicht zu schnell bereit sein, Notlösungen anzunehmen.

Nach Ansicht von Kamphaus bringe die Diskussion darüber, ob es nur ehelose Pfarrer geben dürfe und ob Frauen zum Diakonat zugelassen werden sollten, die Gemeinden nicht weiter. Viel wichtiger sei die Frage, wie es gelinge, von einer verwalteten zu einer Kirche um Gottes und des Menschen Willen zu kommen. Michael Böhnke vom Aachener Generalvikariat drückte die Sorge aus, dass die Umbruchssituation dazu führen könne, dass die Gemeinden den noch zur Verfügung stehenden Pfarrern angepasst würden. Vorgestellt wurden bei der Veranstaltung die Beispiele der Bistümer Limburg und Aachen, wo nach Canon 571 vielerorts so genannte Pfarrbeauftragte all jene Dienste des Seelsorgers übernehmen, für die keine Priesterweihe notwendig ist - bis hin zu Begräbnisdiensten.

 

 

Projekte des Passauer Pastoralplans 2000
"Gott und den Menschen nahe"
Übersicht zur Priorisierung am Hamburger Katholikentag

Wenn Bischof Eder am Pfingstfest 2000 den Gemeinden seiner Diözese Passau den in dreijährigem zähen Ringen fertiggestellten Pastoralplan übergeben wird, beginnt dort eine neue pastorale Zeitrechnung. 
Während des Abstimmungsprozesses wurden zunächst vier große Bereiche ausgewählt, zu denen dann konkrete Projekte definiert wurden. Als Bereiche wurden ausgewählt: Gottesnähe, Menschennähe, Personen fördern, Strukturen entwickeln. Zu diesen vier Bereichen wurden dann wiederum insgesamt neun Projekte zur Realisierung ausgewählt.

Titelbild des Passauer Pastoralplans

Bereiche
Projekte

Gottesnähe

Im Geheimnis Gottes wohnen
Öffentlich Gott bezeugen


Menschennähe

Beheimaten
In Liebe dienen
Zeit haben


Personen fördern

Ehrenamtliche fördern
Hauptamtliche qualifizieren und stärken


Strukturen entwickeln

Strukturen der Seelsorge weiterentwickeln
Präsent sein in Kultur und Politik

 



GOTTESNÄHE

Projekte:

(1) Im Geheimnis Gottes wohnen

"Die Kirche von Passau überprüft umfassend ihre eigene Art, im Geheimnis Gottes zu wohnen und fragt, was sie schöpferisch tun kann, damit Menschen ihre eigene Tiefe entdecken und zum Glauben kommen... Dazu fördert sie kompetente Personen, die andere auf ihrer Suche so begleiten können, dass ihnen das Geheimnis Gottes eröffnet wird."

bulletIm Beten sich Gott öffnen
bulletDas eigene Leben als Geheimnis erfahren
bulletMit Kirchenfernen und Scheiternden Lebensübergänge erschließen
bulletMit Liebe Gottesdienst feiern
bulletDie sonntägliche Eucharistiefeier sicherstellen

(2) Öffentlich Gott bezeugen

Im Bistum wird auf allen Ebenen die Qualität des Zeugnisses von Gott gefördert sowie vernetzt weiterentwickelt.

bulletDie Qualität der Predigten sichern (lntensivkurse, Rückmeldung vor Ort, neue Vorbereitungsformen, Predigertausch)
bulletReligionsunterricht und Schulpastoral weiterentwickeln (Qualitätsentwicklung‚ Räume)
bulletFür das Zeugnis von Gott vernetzt qualifizieren: in Familienkatechese, Kindergarten, Religionsunterricht, Jugendarbeit; Aus- und Fortbildung in der Verkündigung

MENSCHENNÄHE

Projekte:

(3) Beheimaten

Die Gemeinschaften und Räume der Kirche von Passau sind offen für Menschen, die eine - auch vorläufige und vorübergehende - Beheimatung brauchen.

bulletGemeindenahe Ehevorbereitung und Ehebegleitung
bulletRaum für junge Familien...
bulletLebensräume für Jugendliche
bulletOrte für innere Einkehr in Klöstern und Bildungshäusern (neben der Pfarrei)
bulletAufnahme von Menschen, die aus der Fremde kommen
bulletHeimat für bisher Diskriminierte z.B. Wiederverheiratete, gleichgeschlechtlich Liebende
bulletAbsichtslose Gastfreundschaft und einladende Atmosphäre

(4) In Liebe dienen

Investiert wird nicht nur in den Ausbau der helfenden und politischen Diakonie der Kirche im Horizont der einen Welt, sondern verstärkt auch in die Vernetzung von Pfarrgemeinde und Caritas.

bulletNetzwerke der Mitarbeitenden in Caritas (Beratungsdienste, Kindergärten) und Pfarrgemeinde
bulletEintreten für junge Familien, Kinder und Jugendliche
bulletVerbesserungen der Rahmenbedingungen für die Altenarbeit
bulletEintreten für das Recht auf Lebensentfaltung behinderter Menschen
bulletOption für die Armen - weltweit
bullet"Exerzitien in Solidarität"

(5) Zeit haben

Zeit für heilende Seelsorge wird zu einem vorrangigen Entwicklungsziel allen kirchlichen Tuns.

bulletSeelsorgende müssen erreichbar sein
bulletSeelsorge sucht die Orte des Lebens auf
bulletAusbau von Besuchsdiensten
bulletScheidung und Wiederheirat

PERSONEN FÖRDERN

Projekte:

(6) Ehrenamtliche fördern

Die Kirche fördert gezielt Maßnahmen, durch die Ehrenamtliche ihre Motivation klären und stärken, ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und spirituelle Vertiefung erfahren können. Die Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen wird gefördert, Zuständigkeiten und Kompetenzen werden klargestellt.

bulletFachkundige Unterstützung
bulletOrtsnahe Qualifizierung für Leitungsaufgaben
bulletFörderung der Ehrenamtlichen für die Jugendpastoral zusammen mit der Pfarrgemeinde
bulletEinführungskurse für neue Dienste
bullet"Oasentage" zum spirituellen Auftanken
bulletProfilierung der Ehrenämter
bulletEntwicklung einer Kultur der Anerkennung

(7) Hauptamtliche qualifizieren und stärken

Das Bistum Passau bietet Lernmöglichkeiten und Dienstleistungen an, damit Hauptamtliche befähigt werden, zielsicher und situationsgerecht zu handeln, Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft einzuüben und die Motivation für den pastoralen Beruf zu stärken.

bulletDie lnnovation in der Ausbildung und Berufseinführung anstoßen
bulletKonzept für und Koordination der Aus- Fort- und Weiterbildung
bulletBeratung und Supervision
bulletZur Personalführung qualifizieren
bullet Berufswegplanung
bulletSeelsorgliche Begleitung für pastorale Mitarbeiter/innen
bulletFörderung der unternehmerischen Haltung und Eigeninitiative

STRUKTUREN ENTWICKELN

Projekte:

(8) Strukturen der Seesorge weiterentwickeln

Die Pfarreien entwickeln sich aus "versorgten" immer mehr zu eigenverantwortlichen Gemeinden - durch subsidiäre Unterstützung von Dekanat und Diözese. Strukturen der Zusammenarbeit von Caritas, Pastoral und Kath. Aktion auf und zwischen allen Ebenen werden entwickelt. Formen der Mitsprache und Mitbestimmung werden rechtlich gesichert, Teilhabe und Beteiligung ermöglicht und Transparenz bei wesentlichen Vorgängen hergestellt.

bulletPfarrentwicklung: Entwicklung pfarrlicher Kleinprojekte, Anhörung des PGR und KV bei der personellen Besetzung, Unterstützung der Jugendarbeit vor Ort, Kooperation zwischen Caritas und Pfarrgemeinden, Kirchliche Erwachsenenbildung zusammen mit den Bildungswerken.
bulletDekanatsentwicklung: Haupt- und Ehrenamtlichen entwickeln zusammen verbindliche Formen der pastoralen Kooperation. Dekane werden dafür qualifiziert. Freistellung von Mitarbeiter/-innen.
bulletDiözesanentwicklung: Diözese konzentriert ihre Fachdienste auf die Pfarr- und Dekanatsentwicklung: Projektbezogene Vernetzung von Pastoral, Kath. Aktion und Caritas; Frauenförderplan; Vernetzung in der Jugendpastoral; Kompetenzbereiche der Räte werden geklärt.

(9) Präsent sein in Kultur und Politik

Die Kirche beteiligt sich wirkungsvoll am gesellschaftlichen Geschehen mit breiter medialer Präsenz. Sie macht sich stark für Zukunftsthemen wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; für gerechte Sozial- und Familienpolitik und eine menschliche Gestaltung der Arbeitswelt; sie fördert das Bewusstsein und solidarisches Handeln für die Eine Welt.

bulletFörderung des Religionsunterrichts, Schulpastoral, Jugendarbeit
bulletVerbände, Gruppierungen schlagen Brücken zum öffentlichen, politischen Leben
bulletKirchliche Erwachsenenbildung schafft Räume für Begegnung und Dialog
bulletZusammenarbeit mit nichtchristlichen Bewegungen
bulletÖkumenische Zusammenarbeit

 

 

Thesen zur Gemeindeentwicklung

vorgestellt von der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"
Diskussionsfassung Mai 2000



Gemeinden sind und bleiben wichtige Orte, an denen Menschen Heimat finden können. Dies gilt trotz zunehmender Abkehr von überlieferten Glaubensvollzügen, zunehmendem Priestermangel, fehlenden Gottesdienstbesuchern und Zusammenlegungen von Gemeinden.
Schon längst hat ein Umdenkungsprozess und Aufbruch in den Gemeinden begonnen. Wir sind Kirche lädt alle Reform orientierten Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen ein, über die Zukunft der Gemeinden und damit über die Zukunft der Kirche in einen Dialog zu treten.

1.       Gemeinden in ihrer Vielfalt sind die Zukunft der Kirche!

Neben den territorial gebundenen Pfarrgemeinden entstehen vielfältige andere Gemeinden und Gemeinschaften. Diese Entwicklung verändert auch die Kirche und ihre Strukturen.

Das Bild der Kirche wird oft in der schwer auflösbaren Spannung zwischen ängstlichem Rigorismus und orientierungslosem Liberalismus gesehen. Wird der zunehmende Priestermangel als Chance verstanden, kann eine neue pastorale Entwicklung angestoßen werden. Maßstab hierfür ist die menschenfreundliche Botschaft Jesu.

Kirche hat Zukunft in ihren Gemeinden und Gemeinschaften durch den verantwortlichen Miteinbezug so genannter Laien in Leitungsaufgaben. Im Team nehmen Frauen und Männer gleichberechtigt Leitungsaufgaben wahr, begleiten sich gegenseitig kritisch und unterziehen Entscheidungen einem Konsensprozess.

Gemeindeleiter moderieren, delegieren und integrieren. Sie sind in der Lage, Konflikte in der Gemeinde nach Regeln der Kommunikation auszutragen zu helfen. Geeignete Gemeindeleiter werden von der Gemeinde gewählt und erhalten vom Bischof im Namen der Gesamtkirche befristet den Leitungsauftrag.

Die Eigenverantwortung der Gemeinden wird nach dem Subsidiaritätsprinzip gestärkt. Gemeinden bleiben autonom, auch in finanzieller Hinsicht. Sie erhalten die Kirchensteuer direkt und tragen bei zu einem Lastenausgleich für übergemeindliche, diözesane Aufgaben.

Territorialgemeinden, die für diesen Entwicklungsprozess bereit sind, haben schon heute die Möglichkeit, erste Schritte zusammen mit Gemeindeberatern und -beraterinnen zu tun. Reformkräfte in der Kirche bedürfen für strukturelle Umformungen einer engen Vernetzung untereinander und wohlwollender Unterstützung seitens der Kirchenleitung.

2.       Gemeinden nehmen Bedürfnisse der Menschen ganz Ernst!

Die Suche nach Glaubensorientierung und spirituellen Angeboten hat heute keineswegs abgenommen. Kirche muss sich aber fragen lassen, ob sie den Bedürfnissen heutiger Menschen noch gerecht wird.

Eine Verurteilung oder Sanktionierung von Menschen, deren Lebensgeschichte nicht den Normvorstellungen des kirchlichen Lehramtes entspricht, steht Menschen grundsätzlich nicht zu. Die menschenfreundliche Botschaft Jesu lädt zu gegenseitiger Annahme ein.

Zeitgemäße Gemeindepastoral bezieht die individuelle Lebensgeschichte wohlwollend mit ein. Gemeinden öffnen sich an ihren Rändern für Ausgeschlossene. Anliegen ist die Begleitung, nicht die Verurteilung.

Kirche hat Zukunft, wenn sie die Frohe Botschaft Jesu neu in die heutige Zeit hinein sagt. Dies geschieht als Dialogangebot, nicht als Belehrung. Die Botschaft ist zu befreien von zeitbedingten, folgenreichen Übersetzungsfehlern im Neuen Testament. Fehlentwicklungen der kirchlichen Tradition sind zu korrigieren.

Gelingende Gemeindekatechese berücksichtigt in ihren vielfältigen Angeboten pastoralpsychologische Aspekte. Zukünftige Gemeindeleiter und Gemeindeleiterinnen erhalten diesbezüglich eine fundierte Ausbildung.

3.       Gemeinden sind Orte gelingender Gemeinschaft!

Persönlicher Glaubensvollzug ist nach Jesu Vorbild auf Gemeinschaft hin angelegt. Mittelpunkt dieser Gemeinschaft ist die Mahlfeier. Die Zusammenlegung von Gemeinden mit unterschiedlicher Entwicklungsgeschichte ist nicht förderlich für einen gemeinschaftlichen Glaubensvollzug.

Der Appell, Mitverantwortung zu übernehmen, verhallt dort, wo die Möglichkeit zur Mitentscheidung verweigert wird. Der Priestermangel einerseits und die Festlegung des Vorsitzes bei der Eucharistiefeier auf den Priester andererseits stellen ein unlösbares Dilemma dar.

Kirche hat Zukunft, wenn die Gemeinden Entwicklungsmöglichkeiten haben und zur Kommunikation fähig sind.

Damit die gemeinsame Mahlfeier Mittelpunkt gemeindlichen Lebens bleibt, werden neue ökumenische liturgische Formen entwickelt, die den Auftrag Jesu deutlich zum Ausdruck bringen. Nicht die Fixierung auf das Amt, sondern das Gemeinschaftserleben und der Bezug zum Alltag stehen im Vordergrund der Mahlfeier.

Gleichwertigkeit der Dienste in der Gemeinde je nach Charisma fördert die Geschwisterlichkeit. Gelingende Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch Konfliktfähigkeit und Dialogbereitschaft.

Der Dialog in der Gemeinde ist geprägt vom Respekt vor der Andersartigkeit und der Sensibilität für die Bedürfnisse anderer. Hierfür gibt es Kommunikationsregeln, die am gemeinsamen Gesprächstisch gelten und nicht durch das Veto-Recht Einzelner aufgehoben werden können.

Regelmäßige Supervision von außen sichert die größtmögliche Objektivität des Leitungsteams und die Nachhaltigkeit der Gemeindeentwicklung.

4.      Gemeinden haben einen gesellschaftspolitischen Auftrag!

Jesus selbst war politisch, er war Anwalt für Menschen, die der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Friedens bedürfen. Aus einem persönlichen spirituellen Aufbruch entspringt oft der Wunsch nach Engagement, der durch Gemeinschaftserfahrung verstärkt werden kann.

Kirche hat Zukunft, wenn sie in ihren Gemeinden parteiisch ist für Ausgegrenzte, für Arme und Rechtlose. Gemeindemitglieder praktizieren vor Ort Solidarität und Engagement. Hilfreich ist ein klar umrissener, zeitlich begrenzter Auftrag mit einer angemessenen Absicherung des geleisteten Einsatzes.

 

 

Ein Rückblick auf den 94. Deutschen Katholikentag

von Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Entgegen allen Unkenrufen bewies der Deutsche Katholikentag erneut seine Lebenskraft. Nach Hamburg, wo die Katholiken eine Minderheit in der christlichen Minderheit sind, kamen mehr Teilnehmer als 1998 zum Jubiläumskatholikentag in dem von katholischer Tradition geprägten Mainz. In Hamburg, das in besonderer Weise die Säkularisierung und die kulturelle Vielfalt der heutigen Gesellschaft repräsentiert, entfaltete sich zugleich die Kraft der ökumenischen Geschwisterlichkeit von Christen unterschiedlicher Konfession und Tradition. Der Hamburger Katholikentag war - auch dies entgegen bis zum Überdruss wiederholter Behauptungen - ein bedeutsames geistliches Ereignis.

Obwohl die äußeren Bedingungen weniger günstig zu sein schienen als in Dresden und Mainz, verstärkte sich erneut der Wunsch nach Gottesdienst, Gebet, Besinnung und geistlichem Gespräch. Der Hamburger Katholikentag war - im Sinne der 1848 begründeten Tradition - ein öffentliches Ereignis. Und dies im doppelten Sinne: Die Öffentlichkeit ist für Katholikentage der Ort des gemeinsamen christlichen Zeugnisses, und die Themen des Katholikentages sind Teil der öffentlichen Debatte.

Dass Christen mit wachsendem Nachdruck den Öffentlichkeitsanspruch des Glaubens vertreten, ist ein - für manche höchst ärgerlicher - Kontrapunkt zur zunehmenden Segmentierung der Gesellschaft. Was die Christen in Deutschland an den Katholikentagen und Kirchentagen haben, sagte bei der abschließenden Pressekonferenz mit erfrischender Öffentlichkeit unser Freund Jérôme Vignon von den Semaines sociales de France: Nirgendwo sonst in der Welt gibt es Ereignisse mit solcher Öffentlichkeitswirkung, bei denen sich Glauben und Gesellschaft, Kirche und Politik in solch repräsentativer Breite begegnen.

 


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Last updated 11.01.10