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Das Misereor-Hungertuch 2009

Herausgeber:
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.




Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 / 442-0; Fax: 0241 / 442-188
e-mail: pastoral@misereor.de
Internet: http://www.misereor.de

 

 
Das Misereor-Hungertuch 2009
aus Nigeria
"Gottes Schöpfung bewahren
damit alle leben können"
von Tony Nwachukwu, Nigeria
 
 

Gottes Schöpfung bewahren damit alle leben können

Schöpfung ein Thema für Gemeinden, den Unterricht, für Gruppenstunden, Eine-Welt-Kreise ... Und warum nicht mit dem MISEREOR-Hungertuch? Tony Nwachukwu - ein afrikanischer Künstler - hat zu diesem Thema das MISEREOR-Hungertuch für die Jahre 2009/2010 gemalt. Er verbindet den Schöpfungsbericht mit seiner Alltagserfahrung in Nigeria. Er schlägt die Brücke in die "globalisierte Welt" und spricht uns so unmittelbar an. Der Künstler gliedert das Hungertuch in drei Bereiche: die Schöpfung nach Genesis (oberer Teil), die Ge­fährdung der Schöpfung (linker Teil), die Vision von der Bewahrung der Schöpfung durch die Menschen aller Kontinente (rechter Teil).

Die Schöpfung nach Genesis 1

Zentrale Gestaltungselemente sind die Schriftrolle, der Arm des Schöpfers (in Anlehnung an die berühmte Darstellung Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle) und der Geist Gottes, der ber den Wassern schwebte", symbolisiert in der Taube. Die Schriftrolle beginnt nicht mit der Schöpfungsgeschichte, sondern in der Unendlichkeit und läuft bis in unsere Gegenwart. Die Rolle ohne Anfang - ein einfaches, bestechendes Symbol, um Grundlegendes über Jesus Christus auszusagen! Es ist das Wort, durch das alles geworden ist. Die Schöpfungskraft Gottes, symbolisiert in dem ausgestreckten Arm, lässt den abgestorbenen Knochen in der Rolle zu neuem Leben ergrünen (vgl. Ez 37). Die strukturierte, reliefartige Gliederung bildet die Schöpfungstage nach: Licht, Dunkel, Pflan­zen, Sonne, Mond, Tiere und der Mensch. "Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut." (Gen 1,31)

Die Gefährdung der Schöpfung
Wie geht der Mensch mit dieser Sch
öpfung um?

Der Künstler stammt aus Nigeria. Aus seiner dortigen Erfahrung heraus setzt er Umweltzerstörung und Klimawandel ins Bild: Bodenerosion und vertrocknete Felder. Anschwellende Flüsse durch Unwetter, die die schützenden Behausungen der Menschen gefährden. Vom Rohöl verschmutzte Gewässer, die Fische töten und Landwirtschaft verunmöglichen. Das ist die schreckliche Erfahrung der Schwiegermutter Tonys aus dem Nigerdelta. Dort fördern transnationale Konzerne der Industrieländer Erdöl und verunreinigen in unvorstellbarer Weise die Umwelt. Der Reichtum geht, die Armut bleibt - eine Erfahrung, die MISEREOR-Partner allerorts in Afrika, Lateinamerika und Asien machen. Der kleine Junge auf dem Fass schaut uns Hilfe suchend an. Im Hintergrund der Szene malte der Künstler die Gefahr, die durch Luftverschmutzung die Menschheit insgesamt bedroht. Mit seiner apokalyptischen Farbgebung warnt er vor den Folgen des Klimawandels. Mehr noch: Drei Fabrikschlote stoßen in den geistlichen Schöpfungsbereich hi­nein. Dort, wo der Mensch die Schöpfungsordnung nicht respektiert, lediglich auf egoisti­schen Gewinn aus ist und die Natur ausbeu­tet, statt sie pfleglich - auch für die kommenden Generationen - zu bewahren, droht der Untergang aller. Der Künstler will uns zur Um­kehr rufen. Fastenzeit ist Zeit der Buße, der Besinnung und Umkehr zu Gott und seiner Ordnung. Ein verantwortungsvoller Lebens- und Produktionsstil ist nötig, damit alle überleben können.

Vision von der Bewahrung der Schöpfung

Umkehr heißt zuerst, auf den Schöpfergeist Gottes zu hören und seine Ordnung, die er in die Welt gelegt hat, zu achten. Der Künstler stellt dies bildlich dar, indem er den Kopf der Taube - Symbol des Geistes - in die Mitte der versammelten Menschheitsfamilie weisen lässt. Die Menschen aller Kontinente, Schwarze, Araber, Asiaten, Lateinamerikaner und Weiße, Frauen, Männer und Kinder sind um den Glo­bus versammelt. Licht erhalten alle von der Osterkerze, dem Symbol des auferstandenen Herrn, dem Alpha und Omega, dem Anfang und Ende. Die Osterkerze in der Mitte der Versammlung bricht aus der Erde hervor: Der Gott des Lebens schenkt im Neuen Bund in Jesus Christus Leben und einen Neuanfang. Jesus Christus sendet sein Licht und seinen Geist, und "das Antlitz der Erde wird neu" (Pfingst-Antifon). Sich dem Geist Jesu öffnend sorgen sich die Menschen gemeinsam um die begrenzten Rohstoffe und Energieknappheit (symbolisiert im Araber mit Ölgefäß) und um die bedrohte Pflanzen- und Tierwelt (siehe die Symbole, welche die Personen in den Händen halten). Sie erhalten die Artenvielfalt und sichern Ernährung und Gesundheit. (Die Blume - eine afrikanische Teufelskralle - ist eine bedrohte Heilpflanze.) Der Künstler Tony Nwachukwu weist entschieden von sich, gegen die Industrie zu sein. Es geht vielmehr um eine nachhaltige, d.h. ökonomisch, ökologisch und sozial ausbalancierte Produktion. Sie muss in Einklang mit der Be Währung der Schöpfung stehen. Dieses Ziel mahnt MISEREOR an. Es geht um Gerechtig­keit und das Weltgemeinwohl. Dafür setzen sich MISEREOR-Partner in den Südkontinenten und Deutschland ein. Tony bringt dies ins Bild, indem er eine Fabrik (am rechten Bildrand/Mitte) mit zwei afrikanischen Sprichwörtern verbindet: "Das Leben des Wassers ist das Leben des Fisches", und: "Lebt das Meer, dann lebt der Fisch". Unter der Fabrik in dem angedeuteten Kreis bilden Wellen und Fische eine harmonische Einheit. Ähnliches und Grundsätzliches sagt Tony mit einem anderen Sprichwort (vgl. den Fisch über dem Kind rechts unten, auf dem ein Angler sitzt): "Der Fischer gebraucht seinen Angelhaken nicht für den Fisch, auf dem er sitzt". Der Mensch, selbst ein Geschöpf Gottes, trägt Verantwortung für die Umwelt, die Mitschöpfung ist - schon allein aus Rücksicht auf sein eigenes Überleben, aber auch aus Achtung vor seinem Schöpfer. Das sind wir zudem unseren Kindern und Kindeskindern, den künftigen Generationen schuldig - um nicht an diesen schuldig zu werden. Dazu mahnt uns der Blick des Kindes (rechts unten), der uns in Verstand und Herz dringen will. Handeln ist angesagt. "Gottes Schöpfung bewahren - damit alle leben können": So lautet das MISEREOR-Leitwort zur Fastenaktion und der Titel des Hungertuchs.


Der Künstler
 
Tony Nwachukwu aus Nigeria gestaltete das Hungertuch 2009.
Der Maler, Bildhauer und Symbolgrafiker ist 1959 in Enugu geboren und lebt heute mit seiner Frau und vier Kindern in der geschäftigen Stadt Owerri/Nigeria. Der jüngste Sohn, Dabere, lieh dem Kind auf dem Hungertuch sein Gesicht. In Owerri betreibt Nwachukwu eine Kunstgalerie, in der er seine Werke zeigt. Er arbeitet viel mit Batiktechniken und stellt u.a. liturgische Gewänder her. In Süddeutschland und in Österreich hat er für einige Kirchen Kreuzwege gestaltet. Tony Nwachukwus Arbeit ist Zeugnis einer erfolgreichen Vermittlung zwischen der traditionellen afrikanischen Ibokultur und dem modernen Afrika. Dabei spielen christliche Themen eine besondere Rolle.

 
 
Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 11.01.10