Gottes Schöpfung
bewahren
–
damit alle leben können
Schöpfung
–
ein Thema für
Gemeinden, den Unterricht, für
Gruppenstunden, Eine-Welt-Kreise ... Und warum nicht mit dem
MISEREOR-Hungertuch? Tony Nwachukwu - ein afrikanischer Künstler
- hat zu diesem Thema das MISEREOR-Hungertuch für
die Jahre 2009/2010 gemalt. Er verbindet den Schöpfungsbericht
mit seiner Alltagserfahrung in Nigeria. Er schlägt
die Brücke
in die
"globalisierte
Welt" und spricht uns so unmittelbar an. Der Künstler
gliedert das Hungertuch in drei Bereiche: die Schöpfung
nach Genesis (oberer Teil), die Gefährdung
der Schöpfung
(linker Teil), die Vision von der Bewahrung der Schöpfung
durch die Menschen aller Kontinente (rechter Teil).
Die Schöpfung
nach Genesis 1
Zentrale
Gestaltungselemente sind die Schriftrolle, der Arm des Schöpfers
(in Anlehnung an die berühmte
Darstellung Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle) und der
Geist Gottes, der
"über
den Wassern schwebte", symbolisiert in der Taube. Die
Schriftrolle beginnt nicht mit der Schöpfungsgeschichte,
sondern in der Unendlichkeit und läuft
bis in unsere Gegenwart. Die Rolle ohne Anfang - ein einfaches,
bestechendes Symbol, um Grundlegendes
über
Jesus Christus auszusagen! Es ist das Wort, durch das alles
geworden ist. Die Schöpfungskraft
Gottes, symbolisiert in dem ausgestreckten Arm, lässt
den abgestorbenen Knochen in der Rolle zu neuem Leben ergrünen
(vgl. Ez 37). Die strukturierte, reliefartige Gliederung bildet
die Schöpfungstage
nach: Licht, Dunkel, Pflanzen, Sonne, Mond, Tiere und der
Mensch.
"Gott
sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut." (Gen 1,31)
Die Gefährdung
der Schöpfung
Wie geht der Mensch mit dieser Schöpfung
um?
Der Künstler
stammt aus Nigeria. Aus seiner dortigen Erfahrung heraus setzt
er Umweltzerstörung
und Klimawandel ins Bild: Bodenerosion und vertrocknete Felder.
Anschwellende Flüsse
durch Unwetter, die die schützenden
Behausungen der Menschen gefährden.
Vom Rohöl
verschmutzte Gewässer,
die Fische töten
und Landwirtschaft verunmöglichen.
Das ist die schreckliche Erfahrung der Schwiegermutter Tonys aus
dem Nigerdelta. Dort fördern
transnationale Konzerne der Industrieländer
Erdöl
und verunreinigen in unvorstellbarer Weise die Umwelt. Der
Reichtum geht, die Armut bleibt - eine Erfahrung, die
MISEREOR-Partner allerorts in Afrika, Lateinamerika und Asien
machen. Der kleine Junge auf dem Fass schaut uns Hilfe suchend
an. Im Hintergrund der Szene malte der Künstler
die Gefahr, die durch Luftverschmutzung die Menschheit insgesamt
bedroht. Mit seiner apokalyptischen Farbgebung warnt er vor den
Folgen des Klimawandels. Mehr noch: Drei Fabrikschlote stoßen
in den geistlichen Schöpfungsbereich
hinein. Dort, wo der Mensch die Schöpfungsordnung
nicht respektiert, lediglich auf egoistischen Gewinn aus ist
und die Natur ausbeutet, statt sie pfleglich - auch für
die kommenden Generationen - zu bewahren, droht der Untergang
aller. Der Künstler
will uns zur Umkehr rufen. Fastenzeit ist Zeit der Buße,
der Besinnung und Umkehr zu Gott und seiner Ordnung. Ein
verantwortungsvoller Lebens- und Produktionsstil ist nötig,
damit alle
überleben
können.
Vision von
der Bewahrung der Schöpfung
Umkehr heißt
zuerst, auf den Schöpfergeist
Gottes zu hören
und seine Ordnung, die er in die Welt gelegt hat, zu achten. Der
Künstler
stellt dies bildlich dar, indem er den Kopf der Taube - Symbol
des Geistes - in die Mitte der versammelten Menschheitsfamilie
weisen lässt. Die
Menschen aller Kontinente, Schwarze, Araber, Asiaten,
Lateinamerikaner und Weiße,
Frauen, Männer
und Kinder sind um den Globus versammelt. Licht erhalten alle
von der Osterkerze, dem Symbol des auferstandenen Herrn, dem
Alpha und Omega, dem Anfang und Ende. Die Osterkerze in der
Mitte der Versammlung bricht aus der Erde hervor: Der Gott des
Lebens schenkt im Neuen Bund in Jesus Christus Leben und einen
Neuanfang. Jesus Christus sendet sein Licht und seinen Geist,
und "das
Antlitz der Erde wird neu" (Pfingst-Antifon). Sich dem Geist
Jesu öffnend
sorgen sich die Menschen gemeinsam um die begrenzten Rohstoffe
und Energieknappheit (symbolisiert im Araber mit
Ölgefäß)
und um die bedrohte Pflanzen- und Tierwelt (siehe die Symbole,
welche die Personen in den Händen
halten). Sie erhalten die Artenvielfalt und sichern Ernährung
und Gesundheit. (Die Blume - eine afrikanische Teufelskralle -
ist eine bedrohte Heilpflanze.) Der Künstler
Tony Nwachukwu weist entschieden von sich, gegen die Industrie
zu sein. Es geht vielmehr um eine nachhaltige, d.h.
ökonomisch,
ökologisch
und sozial ausbalancierte Produktion. Sie muss in Einklang mit
der Be Währung
der Schöpfung
stehen. Dieses Ziel mahnt MISEREOR an. Es geht um Gerechtigkeit
und das Weltgemeinwohl. Dafür
setzen sich MISEREOR-Partner in den Südkontinenten
und Deutschland ein. Tony bringt dies ins Bild, indem er eine
Fabrik (am rechten Bildrand/Mitte) mit zwei afrikanischen
Sprichwörtern
verbindet:
"Das
Leben des Wassers ist das Leben des Fisches", und:
"Lebt
das Meer, dann lebt der Fisch". Unter der Fabrik in dem
angedeuteten Kreis bilden Wellen und Fische eine harmonische
Einheit.
Ähnliches
und Grundsätzliches
sagt Tony mit einem anderen Sprichwort (vgl. den Fisch
über
dem Kind rechts unten, auf dem ein Angler sitzt):
"Der
Fischer gebraucht seinen Angelhaken nicht für
den Fisch, auf dem er sitzt". Der Mensch, selbst ein Geschöpf
Gottes, trägt
Verantwortung für
die Umwelt, die Mitschöpfung
ist - schon allein aus Rücksicht
auf sein eigenes
Überleben,
aber auch aus Achtung vor seinem Schöpfer.
Das sind wir zudem unseren Kindern und Kindeskindern, den künftigen
Generationen schuldig - um nicht an diesen schuldig zu werden.
Dazu mahnt uns der Blick des Kindes (rechts unten), der uns in
Verstand und Herz dringen will. Handeln ist angesagt.
"Gottes
Schöpfung
bewahren - damit alle leben können": So
lautet das MISEREOR-Leitwort zur Fastenaktion und der Titel des
Hungertuchs.