 |
Das MISEREOR-Hungertuch 2007
lädt Sie ein, sich während der Zeit des Fastens und der
Besinnung zwischen Aschermittwoch und Ostern auf die
"Bergpredigt" Jesu einzulassen. Das Hungertuch gibt der
MISEREOR-Fastenaktion noch einmal ein eigenes Gesicht: Was
Bildung heißen kann, buchstabiert es künstlerisch, theologisch
und spirituell.
Die Seligpreisungen bilden den Beginn der "Bergpredigt" - sie
sind Jesu Bild von der radikal veränderten Welt. Jesus lehrt
seine Jüngerinnen und Jünger bestimmte Grundhaltungen, denen Sie
in diesem |
|
Hungertuch nachspüren können. |
Farben und Formen
Das Hungertuch leuchtet in kraftvollem Gelb und
Orange, warmes Ocker und Rot heben sich von ernstem Schwarz und Grau ab.
Das Kreuz aus Licht, das sich nach oben zum Himmel hin immer weiter
öffnet, findet sein Zentrum in Jesus Christus. Menschen drängen sich um
ihn, der sie direkt anspricht: "Selig seid ihr, ihr seid gemeint!" Die
Körper der Menschen nehmen in ihrer Eckigkeit die Felsformationen des
Berges auf: Mit all ihren Ecken und Kanten sind sie unterwegs. Der Berg
ist der Ort, an dem Jesus den Menschen seine Liebe zuteil werden lässt.
Feuer, Wasser, Geist
Zu Jesu Füßen brennt ein Feuer. Es steht für das
kommende Reich Gottes, das alles neu macht und das alte verbrennt.
Darunter leuchtet ein roter Stempel, in den kunstvolle chinesische
Schriftzeichen eingeprägt sind: "höchste güte ist wie das wasser"
(Laotse, Daodejing, 8). Mit Wasser und Geist ist Jesus getauft worden,
in ihm springt die Fontäne des "Wassers des ewigen Lebens auf" (Joh 4).
Selig seid ihr...
In den vier roten Kreisen hat Li Jinyuan vier der
Seligpreisungen szenisch dargestellt:
 |
"Selig, die arm sind vor Gott": Hier stellt Li Jinyuan das
mühsame Leben der ethnischen Minorität der Yi dar, die im
Südwesten Chinas lebt. Das schwarze Kreuz symbolisiert das
Hinabgehen Jesu zu den Armen und Entrechteten. |
| |
 |
"Selig,
die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden": Eine düstere
Gefängnisszene, durch die Stäbe des winzigen Fensters erahnt man
die Umrisse eines alten Kaiserpalastes - Symbol für Feudalsystem
und Diktatur. |
| |
 |
"Selig
die Trauernden": Ein Lehrer gibt einen Trost anderer Art weiter,
Bücher als Symbole des Wissens und der Bildung. Bildung ist in
China und vielen Ländern des Südens für arme Eltern kaum zu
finanzieren. Noch schwieriger ist es für Menschen mit
Behinderungen, Zugang zu Bildung und Ausbildung zu bekommen. |
| |
 |
"Selig,
die Frieden stiften": Wir sehen eine Szene voller Harmonie -
Löwe, Pandabärin, Lämmer, Böcke und Menschen lagern beieinander
- eine Vision vom Frieden zwischen Mensch und Natur (vgl. Jes
11,5 ff.). |
Die Kalligrafie auf dem Hungertuch verschränkt optisch die
beiden oberen Vignetten miteinander: "Selig, die arm sind vor
Gott" und "Selig die Barmherzigen" lesen wir dort.
... denn euch gehört das Himmelreich
Die ausladende Baumkrone am unteren Bildrand greift das Gleichnis vom
Senfkorn auf (Mt 13,31f.). Um heranzuwachsen benötigt der kleine Keim
Wasser, das ihn nährt. Genauso braucht nachhaltige Bildung Förderung und
Zeit zum Wachsen. Die Darstellungen der Seligpreisungen in den Vignetten
sollen sich im Alltag wie ein Samenkorn entfalten: In jeder Szene tritt
die Kraft der Solidarität und der Liebe zu Tage, jede Vignette ist wie
ein Samenkorn, das Frucht bringen und Jesu Worte verdeutlichen wird:
Worte, welche die Alltagsmaßstäbe nicht nur in Frage, sondern auf den
Kopf stellen.
Das Meer wird von Dschunken befahren, an deren Decks sich Menschen
tummeln: Sie tragen die Lehre Jesu in die Welt hinaus und geben Zeugnis
von seiner Liebe zu denen, die am Rande stehen.
Der Künstler
|
 |
Prof. Li Jinyuan
(Jahrgang 1945) hat an der Chengdu Normal University in der
Provinz Sichuan/China eine Professur für chinesische Malerei und
unterrichtet Meisterschüler. Erst 1979, nach Kulturrevolution,
Gefängnis und Umerziehungslager, konnte er die Malerei zu seinem
Beruf machen. Seitdem kennzeichnen zahlreiche Auszeichnungen,
Studienaufenthalte im asiatischen und europäischen Ausland und
internationale Ausstellungen seinen Weg. Seine Bilder kreisen
stets um das große Thema der Harmonie von Gott, Mensch und
Natur. |
|