St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Das Misereor-Hungertuch 2002


 

Herausgeber:
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.




Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 / 442-0; Fax: 0241 / 442-188
e-mail: pastoral@misereor.de
Internet: http://www.misereor.de


 
 
Das Misereor-Hungertuch 2002
aus Togo, Afrika
Misereor-Hungertuch 2002
"Augen-Blicke des Friedens"
El Loko, Togo
 
 
Das Thema

Das Misereor-Hungertuch 2002 steht unter dem Thema "Frieden". Die Relevanz dieses Themas für die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit Misereors muss nicht begründet werden, denn Frieden ist die Voraussetzung für jeden Entwicklungsprozess und umgekehrt fördert partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit Frieden. Gleichzeitig verweist das Hungertuch auf das Thema der Misereor-Fastenaktion 2002:

"Frieden ist TATsache - MISEREOR: Mut zur Versöhnung"

Der Wunsch nach einer friedlichen Welt führt immer wieder zum Menschen: Was ist der Mensch? Wie ist der Mensch? Der Mensch und seine Beziehung zu Mitmenschen, zur Natur und zu Gott stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Dieser Dialog ist das zentrale Thema des Hungertuches.

Das Bild

36 Gesichter schauen uns an. Ein helles Rot, erdiges Ocker, Schwarz und Ultramarinblau leuchten uns entgegen. Es sind die Farben der Menschen dieser Welt. Auf diesem Hungertuch ist die Welt wie ein aus Menschengesichtern gewobener Teppich.
Allen Gesichtern auf dem Tuch sind Zeichen eingeprägt: Der Dreizack der Gewalt, die Krone der Weisheit, Eidechsen, Buchstaben, Blumen, die aus Mündern erblühen. In diesen Gesichtern sind nicht nur die Menschen und ihre Vergangenheit da. Die ganze Schöpfung ist symbolisch präsent und mit den Menschen verwoben.
Zusammengehalten wird die Komposition durch ein tiefblaues Kreuz, das sich schräg nach oben hin aufrichtet, manche Gesichter in sich aufnimmt. Im Zentrum des Bildes ruht die Friedenstaube.

Weltengesichter und Kosmische Lettern

Für Menschen gibt es nichts Spannenderes als Gesichter. EL Loko, der Künstler, zeigt uns mit den "Weltengesichtern" den ganzen Reichtum der menschlichen Vielfalt, ohne das Gemeinsame zu verleugnen. Erkennen wir Gottes Ebenbilder in ihnen? Jedem hat er individuelle Züge verliehen. Sie erzählen Geschichten von Tod und Leben, von Krieg und Frieden. Es sind die Augen der Anderen, die uns anschauen, in denen wir uns spiegeln. So entsteht erst Dialog.
Die ornamentalen "kosmischen Lettern" des Hintergrundes sind universale Zeichen, die einen weltumspannenden Dialog ermöglichen. Eine allen gemeinsame Weltsprache könnte man es nennen. Zeichen und Symbole sind in ihrer Einfachheit hilfreiche Wegweiser. Auch Jesus sprach in solchen Zeichen und Bildern zu den Menschen vom Reich Gottes.

Kreuz, Baum und Taube

Das Kreuz ist ein uraltes Symbol. Weg-Kreuzungen sind Treffpunkte und sie fordern Entscheidungen. EL Loko malte das Kreuz Christi. Es ist aber kein schwarzes Kreuz, kein Kreuz als Zeichen des Todes. In verschiedenen Kulturen versinnbildlicht das Kreuz in Blau vielmehr die Auferstehung und Verheißung des Neuen. Zudem ist es ein "Kreuz in Bewegung", es bringt Dynamik in die Ordnung der Gesichter und übergreift die vielen Vereinzelten und verheißt so SEINE Gemeinschaft. Das Vertrauen darf wachsen, dass in der eigenen Gewaltlosigkeit eine ganz andere Kraft und Macht Raum gewinnen kann. Dieser Raum kann beschrieben werden als Gerechtigkeit und Frieden.
Die zarte Friedenstaube ist dem Kreuz zugeordnet, verschwimmt im Dunkel des Blau, man entdeckt sie nicht sofort. Frieden ist noch nicht verwirklicht und nur zu beschreiben als das, was noch nicht ist.
Gleich daneben, am Fuße des Baumes (der Erkenntnis) windet sich die Schlange - der Weg zum Frieden ist immer noch gefährdet.

Augen-Blicke des Friedens: Dialog mit dem Betrachter

Das Hungertuch will Prozesse anstoßen: Im gemeinsamen Betrachten kann es geschehen, dass eine Vision, ein Traum von Frieden entsteht, wach gehalten und weiter getragen wird.

Ein Triptychon

EL Loko hat das Hungertuch als Triptychon gestaltet. Erst wenn alle drei Teile zusammen kommen, ergibt sich das Ganze. Das ist auch ein Sinnbild für Kirche: Erst wenn die Christinnen/Christen einer Gemeinde zusammenstehen, kann sich Gemeinde bilden. Und erst wenn alle Gemeinden sich als Teil eines Ganzen verstehen, entsteht weltumspannende Kirche.

Der Künstler

EL Loko, geb. 1950 in Togo, versteht sich als Brückenbauer, der eine Verbindung zwischen afrikanischer Kultur und Spiritualität und dem europäischen Kontext herstellt. Der ehemalige Meisterschüler von Joseph Beuys lebt und arbeitet heute in Togo und in Köln.
"Die Welt muss nicht bleiben wie sie ist" - diese Worte von Beuys wurden auch für EL Loko maßgeblich. Kunst gibt Anstöße und hilft bei der Orientierung. Es braucht Menschen, welche die Welt verändern. Jeder und jede kann "Gesicht zeigen".

 
 
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Last updated 11.01.10