St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Das Misereor-Hungertuch 2000


 

Herausgeber:
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.




Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 / 442-0; Fax: 0241 / 442-188
e-mail: pastoral@misereor.de
Internet: http://www.misereor.de


 

 
Das Misereor-Hungertuch 2000
aus Indonesien
"Ein Jahr, das Gott gefällt - Neubeginn und Befreiung"
Suryo Indratno, Java
 
 
Das Misereor-Hungertuch 2000 stammt aus Indonesien. Suryo Indratno (geb. 1969) aus Java möchte Anwalt der Kleinen und Unterdrückten sein. Er will die Not des Volkes ins Bewusstsein rufen, aber auch der Hoffnung ein Gesicht geben. "Kunst als Prophetie" - das ist sein Anspruch.

Die Bilderspirale – In die Fülle des Lebens eintreten

Der Künstler hat – ausgehend vom Schöpfergott – im Uhrzeigersinn eine immer enger zulaufende Spirale gestaltet. Diese Bewegung symbolisiert den pulsierenden Rhythmus des Lebens und der Schöpfung. Sie mündet ein in das zentrale Symbol des javanischen "Berg-Baumes", ein kosmisches Bild für die Harmonie zwischen allem, was lebt.

Gott der Schöpfer - Ins Leben rufen

Gott hat die Welt am Anfang der Zeiten geschaffen und er umfasst sie heute noch schützend mit seinen Armen. Alles Leben nimmt in ihm seinen Anfang. Gott ist auf dem Hungertuch zum Greifen nah, er hat uns Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Und so dürfen wir uns auch von ihm "ein Bild machen". Suryo hat ihn mit dunkler Haut und indonesischen Gesichtszügen gemalt.

Die Dorfbevölkerung - Die Früchte ihrer Arbeit genießen

Wir sehen Bauern und Bäuerinnen bei der Reisernte. Der Künstler bricht die friedliche dörfliche Idylle jedoch auf und zeigt im Hintergrund protestierende Arbeiter, die sich mit erhobenen Fäusten gegen wirtschaftliche Ausbeutung zur Wehr setzen.
Krisenhafte Brüche und Ungerechtigkeiten, welche die Hebräische Bibel nennt, haben zu tun mit dem Besitz von Geld und Land. Man kann "Bruch" aber auch weiter fassen:
patriarchale Strukturen, Arbeitslosigkeit, religiöser Fundamentalismus, Intoleranz religiösen und kulturellen Minderheiten gegenüber. Demgegenüber fordert der Prophet Jesaja eine Vision ein: "Sie werden Reben pflanzen und selbst ihre Früchte genießen".

Der Lehrer - Zu Gerechtigkeit und Frieden erziehen

Wir sehen einen Lehrer, der die Situation des Volkes entschlüsselt. Ein neues Bewusstsein von Gerechtigkeit und Frieden ist der einzige Weg, der aus Unwissenheit und einer dumpfen Gleichgültigkeit, die alles hinnimmt, heraus führt.

Die Frauen - Frauenrechte stärken

Die Figur im unteren Mittelteil verkörpert die "Mutter Erde", die verletzt wird durch die Ausbeutung und Unterdrückung der Frauen. Sie ist Symbol des Volkes, seiner Kultur und seiner Fruchtbarkeit. Das Recht der Armen, der Schwachen, der Frauen und Kinder, die Unterwerfung abzuschütteln und sich zu weigern, die Welt so zu akzeptieren, wie sie im Moment noch ist, steht in der Tradition des biblischen Jubeljahres.

Die Opfer des Terrors - Die Gefesselten befreien

Die bedrückenden Szenen der Tyrannei gegen Schwache, die bedrohlichen Schatten der Generäle am linken Bildrand sind in vielen Teilen der Welt alltägliche Realität. Sie werden dennoch aufgebrochen durch Zeichen der Hoffnung und der Solidarität untereinander: Das Volk als Ganzes, Männer und Frauen, trägt den Bambus, das indonesische Symbol für nationale Identität.

Der leere Krug - Schöpfung bewahren

Die Zusage Gottes an die Menschen "ich übergebe euch alle Pflanzen und Tiere" ist kein Freibrief für die ökologische Unkultur der Ausbeutung von Ressourcen. Die Bewahrung der Schöpfung ist nur gemeinsam möglich.

Die Gemeinschaft - Weder Sklave noch Herr

Die Menschen der Gruppe, die dort eng beieinander stehen, haben keine Berührungsängste, sie reichen einander die Hände und überwinden Klassen- und Rassenschranken. In dieser Gemeinschaft ist vorweggenommen, was Paulus sagt: "Es gibt nicht mehr Sklaven noch Freie, denn ihr seid alle einer in Christus Jesus" (Gal 3,28).

Die Lastenträger - Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit schaffen

"Was meine Auserwählten mit eigenen Händen erarbeitet haben, werden sie selber verbrauchen. Sie arbeiten nicht mehr vergebens ...", verheißt uns der Prophet Jesaja. Die Gottesherrschaft ist eine Wirklichkeit, die besonders den Armen verkündet wird als ihnen gerade jetzt zukommendes Heil.

Das Mahl - Neu beginnen

Wir sehen einen Berg gelb gefärbten Reises, garniert mit allerlei köstlichen Früchten. Darum herum sitzen im Kreis Männer und Frauen verschiedener Herkunft und Religionszugehörigkeit. Sie feiern ein Fest. Menschen unterschiedlicher Herkunft um einen Reisberg herum zu versammeln ist das zentrale Symbol der Reich-Gottes-Vision.

Der javanische "Bergbaum" - In den Dialog eintreten

Ein Jahr, das Gott gefällt (Jes 61) - eine Zeit, in der Brüche geheilt werden sollen. Der Künstler konfrontiert uns mit dem Thema "Dialog der Religionen" in einem sehr politischen Sinn, um deutlich zu machen, welch große Verantwortung Christinnen und Christen gemeinsam mit den Vertretern aller anderen Religionen dafür tragen, dass (Religions-) Konflikte wie aktuell in Indonesien oder im Kosovo gar nicht erst entstehen, dass Brücken gebaut und nicht tiefere Gräben ausgehoben werden.

 
 
Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 11.01.10