St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Das Misereor-Hungertuch 1998


 

Herausgeber:
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.




Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 / 442-0; Fax: 0241 / 442-188
e-mail: pastoral@misereor.de
Internet: http://www.misereor.de


 

 
Das Misereor-Hungertuch 1998
 
Misereor-Hungertuch 1998
"Barmherzigkeit und Gerechtigkeit"
altes Meditationsbild mit Photographien aus der Neuzeit
 
 
Thematische Zuordnung der einzelnen Bildelemente:
 

Im Mittelpunkt des Hungertuches 1998 steht ein spätmittelalterliches Meditationsbild aus dem Umfeld des Hl. Nikolaus von Flüe; es entstand im 15. Jahrhundert in der Schweiz.

Mittelpunkt des Meditationsbildes ist Christus, umgeben von hellen Strahlen, die auf ihn hinweisen oder von ihm ausgehen: Von Christus aus, der das Haupt ist, wird alles zusammengehalten; von ihm geht alles aus, auf ihn läuft alles zu.

Die sechs Medaillons zeigen in ihrer Abfolge (im Uhrzeigersinn, beginnend unten in der Mitte) die im Neuen Testament berichtete Heilsgeschichte: Von der Verkündigung an Maria bis zur Kreuzigung Jesu, mündend in das Leben der Kirche in der Nachfolge Jesu (hier die Eucharistiefeier). In den Medaillons des alten Meditationsbildes weisen Symbole hin auf die "Werke der Barmherzigkeit" der christlichen Tradition (Mt 25,31-46;Tob 1,17):

bulletHungrige speisen
bulletDurstigen zu trinken geben
bulletNackte bekleiden
bulletFremde beherbergen
bulletGefangene erlösen
bulletKranke besuchen
bulletTote begraben
Jeweils zwei Medaillons werden von einem Evangelistensymbol berührt: Ausdruck dafür, dass das ganze Bild vom Evangelium her begründet und inspiriert ist.
Die Botschaft dieses spätmittelalterlichen Bildes ist die innere Einheit von Gottes- und Nächstenliebe, von Glaube und sozialem Engagement. Die Hinwendung zu Gott und die Hinwendung zu den Mitmenschen können nicht voneinander getrennt werden, weil sie auseinander hervorgehen: Aus dieser christlichen Glaubenserfahrung lebt auch die Arbeit des Werkes Misereor:

Die neuen Bilder schreiben die Dynamik des alten Meditationsbildes in unsere Gegenwart hinein weiter. Mit den Mitteln unserer Zeit, nämlich eindrucksvollen Fotografien, wird die aktuelle Lebenswirklichkeit von Menschen in der "Einen Welt" ins Bild gebracht. Der lebendige Christus hat nicht nur mit den Geschichten und Handlungen der Vergangenheit zu tun, sondern auch mit der Wirklichkeit unserer heutigen Welt.

Die vier neuen Motive greifen Rahmenbedingungen auf, auf die Misereor immer wieder in seiner Arbeit stößt. Sie sind mitverantwortlich für Ausmaß und Formen von Armut und Ungerechtigkeit, mit denen das konkrete Handeln in der Nachfolge Jesu konfrontiert wird: wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit, gewaltsame Konflikte, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Benachteiligung der Frauen.
Diese Bilder des Hungertuches stehen daher auch für die "Taten der Gerechtigkeit" - vier aktuelle Herausforderungen und Ziele christlich motivierten Handelns:
 

bulletGerechtigkeit
bulletFrieden
bulletBewahrung der Schöpfung
bulletRechte der Frauen
Die "Werke der Barmherzigkeit", angemahnt durch die Symbole des alten Meditationsbildes, und die "Taten der Gerechtigkeit", thematisiert in den Fotos aus unserer Zeit, sind unmittelbar aufeinander verwiesen, notwendig miteinander verbunden.
Das Misereor-Hungertuch 1998 lädt durch seine Komposition dazu ein, über ein Grundthema der christlichen Überlieferung nachzudenken: Das Verhältnis zwischen Liebe und Gerechtigkeit, zwischen Barmherzigkeit und Politik.

Die Verse aus Mt 25,31-40, die im Bild thematisiert sind:

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;
36 Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht, ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Darauf wird der König ihnen antworten:

Amen, ich sage euch: Was ihr für den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

 
 
Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 11.01.10