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V. STATION
Ein Außenseiter
hilft
Thema: Die Schwarzen in Lateinamerika |
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Ein Außenseiter wird zur Hilfe
gezwungen. Simon von Cyrene ist einer der Schwarzen, wie sie
millionenfach in Lateinamerika leben. Einst wurden sie aus Afrika
verschleppt, um nach der Ausrottung der Indianer Jahrhunderte lang
härteste Sklavenarbeit zu verrichten. heute sind sie nicht minder
diskriminiert; sie erhalten die niedrigsten Löhne und verrichten die
dreckigste Arbeit. Christus braucht die mitfühlende Solidarität
solcher Menschen. |
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VI. STATION
Die Gemeinschaft der
Beladenen
Thema: Indios in den Anden |
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Indio-Frauen
übernehmen den Dienst der Veronika und säubern das Gesicht Jesu. In
diesem Gesicht finden sich die Frauen und Männer der andinen Welt
wieder. Bis heute leiden sie unter der Missachtung durch die Weißen
und Mestizen, bis heute kämpfen sie um ihre eigene Kultur und
Identität. Der Kreuz tragende Christus nimmt die mutige Geste der
Frauen dankbar an. |
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VII. STATION
Bodenlos
Thema: Bauern ohne Land |
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Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem
Gewicht des Kreuzes. Um das tägliche Brot zu bitten, hat er die
Menschen gelehrt. Woher soll es aber kommen, wenn der Boden nur in
der Hand weniger ist? Der Ruf nach Land wird immer lauter.
"Agrarreform", "Recht auf Land": solche Transparente sieht man auf
dem Bild. Hunderten von Menschen kostet diese Forderung jedes Jahr
das Leben. Jede Kordel am Querbalken des mitgeführten Kreuzes
symbolisiert einen Ermordeten. |
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VIII. STATION
Der Aufschrei der Frauen
Thema: Frauen in Lateinamerika |
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Voller Mitleid betrauern Frauen den
misshandelten Herrn. Dieser verweist sie auf ihr eigenes Schicksal:
"Weint nicht um mich ...". Diese biblische Szene spielt in Ayacucho/Peru,
wo Väter und Söhne umgebracht werden, und Frauen die Sorge um das
Überleben der Familien übernommen haben. Trotz solcher oft
unmenschlichen Lasten ist der Mut und die Widerstandskraft
lateinamerikanischer Frauen sprichwörtlich. |
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IX. STATION
Verstoßen und geschlagen
Thema: Straßenkinder in Lateinamerika |
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Jesus fällt zum dritten Mal mitten unter elternlosen Kindern und
arbeitslosen Jugendlichen zu Boden. Um überleben zu können, arbeiten sie
als fliegende Händler, als Eisverkäufer, als Altpapiersammler, als
Zeitungsverkäufer. Killerbanden töten jeden Monat allein in Brasilien
Hunderte von Straßenkindern. Christus hat Kinder umarmt und gesegnet: "Wer
ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, nimmt mich auf" (Mk 9,37). |
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X. STATION
Des Kleides beraubt
Thema: Zerstörung des Regenwaldes |
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Jesus wird am Ende seines Weges seiner Kleider beraubt. Diese
Entblößung findet statt inmitten einer Natur, der mehr und mehr ihr
kostbares Kleid genommen wird. Im Vordergrund ein Vertreter der
Indianervölker, die ihren Lebensraum verlieren sowie Chico Mendes, der
brasilianische Umweltschützer, der am 22. Dezember 1988 ermordet wurde.
Christus steht auf der Seite jener, die für den Schutz der "Mutter Erde"
eintreten. |
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XI. STATION
Ans Kreuz
geschlagen
Thema: Verschuldung |
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Jesus wird ans Kreuz genagelt. Wir sehen links die Türme der Banken,
rechts einen Kletterturm, zu dem die Menschen mit schweren Lasten gehen.
Es sind die Güter aus dem armen Süden, die dem reichen Norden zugute
kommen. Jesus wird gekreuzigt "in Erfüllung des Gesetzes". Ebenso stirbt
der Süden in Erfüllung des Gesetzes, das diesen Ländern auferlegt wird.
Die Auslandsverschuldung und die verordneten Lösungen treffen vor allem
die Armen. |
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XII. STATION
Tod am Kreuz
Thema: Die zerrissene Welt |
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Jesus stirbt am Kreuz. Er stirbt für das Leben der gespaltenen Welt.
Wir sehen den Riss zwischen Nord und Süd, zwischen Reich und Arm, zwischen
Mächtigen und Ohnmächtigen, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. Die
Aufspaltung der Welt hat das Leiden und den Tod Jesu mit verursacht;
gleichzeitig verhindert das Kreuz und sein Schatten ihr
Auseinanderbrechen. Der Tod Jesu am Kreuz kündigt Hoffnung und neues Leben
an für uns und die zerrissene Welt. |
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XIII. STATION
Keim der Hoffnung
Thema: Aufbruch des Volkes Gottes
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Der tote Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter
gelegt. Diese Szene verweist auf das Gleichnis vom Samenkorn, das, in die
Erde gelegt, neues Leben verheißt. Die vielen Menschen im Hintergrund
spüren diese österliche Kraft und geben ihrer Freude Ausdruck. Im Schoß
der Erde eine kleine Gemeinschaft. Bei Gebet und Gespräch versammelt, weiß
sie den Herrn in ihrer Mitte. |
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XIV. STATION
Finsternis und
Todesschatten
Thema: Umweltverschmutzung |
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Jesus wird in den Schoß der Erde zurückgegeben: "Staub bist du, zum
Staub musst du zurück" (Gen 3,19). Die Grablegung findet in einem
öffentlichen Armenfriedhof statt. Dieser grenzt an eine brennende
Müllhalde und an ein Industriegebiet, dessen Abgase den Himmel
verfinstern. Ein gespenstischer Friedhof ohne Hoffnung! Atommüll,
Ozonloch, saurer Regen, vergiftete Flüsse, zerstörte Natur: es gibt
Umweltschützer, die verheißen Finsternis und Todesschatten für unsere
Erde. |
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XIV. STATION
Ein neuer Himmel
und eine neue Erde
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Thema: Der
Auferstandene begleitet das Volk Gottes auf seinem Weg |
In der Bilderwelt des
Misereor-Hungertuches aus Lateinamerika treten die Vertreter der
lateinamerikanischen Völker und ihrer Kirche vor unsere Augen. Sie
verweisen uns auf die vielfältigen Probleme in Geschichte und Gegenwart,
zeigen aber auch den menschlichen und kulturellen Reichtum dieses
Subkontinents. Mitten unter den Straßenkindern, Indianerinnen, Bischöfen,
Landarbeitern, Ordensfrauen und Indios steht Christus, der Auferstandene.
Er ist den Weg des Leidens mit den Beladenen gegangen. Jetzt bekennt er
sich als Auferstandener zu ihnen, den Ermordeten, Totgeschlagenen,
Entführten, Verachteten, der Subversion Bezichtigten, weil sie ihr Leben
geopfert haben im Glauben an Gottes Liebe und im Dienst an den Armen. Die
Namen dieser Blutzeugen sind verzeichnet im Martyrologium der
lateinamerikanischen Kirche. Es sind bekannte Namen wie Bischof Romero,
Sr. Ita Ford, Chico Mendes und P. Luis Espinal, aber auch in Europa
unbekannte Namen wie Sr. Alice Dumont, Santo Dias, Luisito Torres oder
Doña Tingo.
Diese Blutzeugen sind zur Linken flankiert von den Vertretern der andinen
Völker, die auf ihrer Prozession die Statue der Jungfrau Maria mitführen
und ihrer Auferstehungshoffnung mit ihren Musikinstrumenten Ausdruck
verleihen.Links unten sitzt als Symbolfigur Pachamama, die Mutter Erde, die dem
Volk die wichtigsten Produkte der Anden - Mais und Kartoffeln - schenkt.
Neben ihr ein indianischer Bauer aus dem Altiplano, der mit seinem
Inka-Spaten den Boden bearbeitet. In der rechten Bildecke freuen sich
Indianer und Schwarze, deren Sklavenketten gesprengt wurden.
Im Hintergrund des Hungertuchbildes sehen wir die Begegnung der
europäischen mit der indianisch-lateinamerikanischen Welt. Rechts oben die
Ankunft der Karavellen des Kolumbus, die Konquista und ihre schrecklichen
Folgen für die indianischen Völker und Kulturen. Links oben die
lateinamerikanischen Großstädte mit ihren Hochhäusern, Fabriken und
Favelas. Seit langem haben dort die Menschen Repression, Verfolgung und
schwere Menschenrechtsverletzungen zu ertragen.
Im Mittelteil des Bildes sehen wir die Ruinen vom Machu Picchu, die
Stufenpyramiden von Tikal, das Sonnentor von Tiahuanaco: Zeugen der
indianischen Vergangenheit des Kontinents und Anfragen an die heutige
Identität. Die lnti-Sonne über dem Machu Picchu korrespondiert mit der
Aureole des Auferstandenen.
Der Anlass
Kreuzweg und Hungertuch von Adolfo Pérez Esquivel entstanden in
Vorbereitung auf das Gedächtnisjahr "500 Jahre Lateinamerika: 1492-1992".
Misereor und die übrigen Hilfswerke für Entwicklung und Solidarität in den
Ländern der nördlichen Hemisphäre gehen auf dieses Ereignis zu aus der
Perspektive der Opfer. Das sind die Indianer in Amazonien genauso wie die
Indios im Hochland der Anden, das sind die landlosen Tagelöhner, die
Kleinbauern wie die Slumbewohner in den großen Städten: Männer, Frauen und
Kinder, die in die Verarmung gezwungen werden.
Das Thema
Die Bilder zeigen den Kreuzweg, wie er als Form der Kreuzesnachfolge in
der Volksfrömmigkeit seit Jahrhunderten gegangen und gebetet wird.
Gleichzeitig geben sie authentische Auskunft über die vielfältigen
Probleme und Hoffnungen des lateinamerikanischen Subkontinents. Der
Künstler versucht, den Weg des Leidens, den die lateinamerikanischen
Völker in den vergangenen 500 Jahren gegangen sind und noch immer zu gehen
haben, mit dem Kreuzweg des Herrn zu verbinden.
Seine Bilder sind aber auch eine Anfrage an unser Christsein, unser
Zeugnis und unsere Solidarität.
Zentrales Thema von Kreuzweg und Hungertuch ist die biblische Vision: "Wir
erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit
wohnt" (2 Petr 3,13).
Die Botschaft
Als zentrale Figur begleitet der leidende Christus der traditionellen
lateinamerikanischen Volksfrömmigkeit die Menschen auf den einzelnen
Stationen ihres Weges. Er leidet mit ihnen und stirbt für sie. Der
Kreuzweg Jesu ist auch der Kreuzweg des Volkes. Die 15. Station (das Motiv
des Hungertuches) zeigt den auferstandenen Herrn. Er schreitet zusammen
mit den lateinamerikanischen Martyrerinnen und Martyrern unserer Tage, die
ihren Einsatz für die Armen und für die Gerechtigkeit mit dem Leben
bezahlten, dem Betrachter entgegen. Ihr Blutzeugnis wird zum Keim der
Hoffnung und zur Quelle von Leben.
Der Künstler Adolfo Pérez Esquivel
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1931 in Buenos Aires geboren, wurde er 1980 in Oslo mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Esquivel studierte
Architektur und Bildhauerei, war Professor an der Universität
La Plata und an der Schule für Schöne Künste in Buenos Aires
ehe er 1968 begann, in der Friedensbewegung mitzuarbeiten, die
er selbst als "Apostolat der Gewaltfreiheit" begriff. Mitte
der 70er Jahre, als die Militärs die Macht übernahmen, wurde
er mit seiner moralischen Autorität zum Gewissen Argentiniens,
ein unbestechlicher Kämpfer für die Respektierung der
Menschenrechte in seinem Land und in ganz Lateinamerika. |
1974 wurde er
Generalsekretär der Organisation Servicio Paz y Justicia (SERPAJ). Im
gleichen Jahr verzichtete Pérez Esquivel auf seinen Lehrstuhl. Am 4.
April 1977 wurde er von den argentinischen Militärs verhaftet und
blieb ohne Anklage und ohne Prozess bis zum 22. Juni 1978 im
Gefängnis. Dort unterzog man auch ihn der Folter. Der überzeugte Christ
Pérez Esquivel ist mit der Komponistin Amanda Guerreño verheiratet und hat
drei Söhne. |
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Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated
11.01.10 |
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