St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Das Misereor-Hungertuch 1990


 

Herausgeber:
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.




Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 / 442-0; Fax: 0241 / 442-188
e-mail: pastoral@misereor.de
Internet: http://www.misereor.de


 

 
Das Misereor-Hungertuch 1990
aus Indien
"Biblische Frauengestalten - Wegweiser zum Reich Gottes"
Lucy D'Souza, Indien
 
Zuordnung der Bilder und thematischen Inhalte im Hungertuch von 1990



Mirjam
Ex 15,19 ff



 



Maria von
Magdala
Joh 20,11 - 18



 


Schifra und Pua
Ex 1,15-21


 

Das Reich Gottes ist wie
ein Sauerteig und wie ein Senfkorn (Lk 13,21.18)

"Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt ..."
(Joh 12,24)

 

Die syrophönizische
Frau
Mk 7,25 f; Mt 15,22 f

 



Ruth
1.22; 2.8;
4,13.17




 


Maria und Elisabeth
Lk 1,41 - 56




 
 
 
 

Der Bildaufbau des Hungertuchs

Die Künstlerin malte das Meditationsbild in der Mitte als Mandala. Es ermöglicht "die Reise nach innen" wenn wir über das Wachsen des Reiches Gottes nachdenken. Die biblischen Gestalten der übrigen sechs Bildmotive sind Führerinnen und Begleiterinnen bei der "Reise nach außen", auf unserem Weg zu den Armen, Unterdrückten und Vergessenen

Das Reich Gottes ist wie ein Sauerteig

Eine Gestalt sitzt in einem Weizenkorn, wirkt Sauerteig ins Mehl und knetet es zu Brot. Ähren sprießen aus dem Erdreich ins Licht. Ein Meditationsbild vom Gleichnis des Reiches Gottes. "Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau anrührt" (Lk 13,20) und "wie ein Senfkorn, das ein Mann in die Erde steckte" (Lk 13,18).
Die Künstlerin verweist auf das harte Leben der armen Frauen in Indien, die für das Überleben ihrer Familie Sorge tragen müssen. Gleichzeitig ermuntert sie uns, das Samenkorn Gottes im Alltag zu entdecken, um durch unsere Sorge für Arme, Unterdrückte und Vergessene die Botschaft vom Reiche Gottes zeichenhaft glaubwürdig zu machen. Das Wachsen des Reiches Gottes ist für die Künstlerin ein Durchsäuerungsprozess, der immer durch den Tod zum Leben geht: "Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht" (Joh 12,24).

Mirjam - Schwester und Prophetin

Die Prophetin Mirjam, Schwester des Mose und Aaron, feiert die Befreiung ihres Volkes aus der Hand der Ägypter: "Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer" (Ex 15,21). Die übrigen Frauen bekunden durch den gemeinsamen Tanz ihre Solidarität.
Das Element Wasser bestimmt diese Szene, ein Hinweis auf die Schwerarbeit zahlloser Frauen in Indien, die Wasser oft kilometerweit schleppen müssen.
Mirjam kann eine Ermutigung sein für ihre mündigen Schwestern heute, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht gering zu schätzen.

Schifra und Pua - Gewaltloser Widerstand ist möglich

Drohendes Dunkel und wärmendes Feuer kennzeichnen diese Szene. Zwei Frauen schützen die Mutter mit ihrem Kind. Die beiden Hebammen Schifra und Pua widerstehen dem Pharao und retten die neugeborenen Knaben der Hebräer mit List und fast tollkühnem Mut. Sie sind Vorbild und Hilfe für alle tapferen Frauen, die heute gegen die Drohung des Todes für Leben, Freiheit. Gerechtigkeit und Frieden kämpfen.

Ruth - Harmonie von Familie, Gesellschaft und Natur

Drei Menschen sind in diesem Bild einander zugewandt: die dunkelhäutige Ruth, ihre Schwiegermutter Noomi und Boas. Garben von Korn verbinden die drei: ein Hinweis auf die weltweite Sorge um das tägliche Brot. Trotzdem ein Bild voller Harmonie und gleichzeitig Zeugnis einer Vision: Männer und Frauen sorgen gemeinsam für eine humanere und gerechtere Welt. Zwei Frauen unterschiedlichen Alters, beide arm und heimatlos, die eine Ausländerin, halten zusammen und erneuern das Volk Israel.

Maria und Elisabeth - Gewaltige stürzt er vom Throne

Die Künstlerin zeigt uns eine ungewöhnliche Darstellung der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth. Die schwangere Elisabeth tanzt auf Maria zu, die im Magnificat ausruft: "Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungrigen beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen" (Lk 1,52-53). Maria enthüllt die Botschaft ihres Sohnes vom Nahen des Reiches Gottes. Dieser Gott wendet sich den Niedrigen, den Hungernden und den Gedemütigten zu.

Jesus und die syrophönizische Frau

Die syrophönizische Frau steht mit beschwörender Gebärde vor Jesus und weist auf ihre kranke Tochter hin. Jesus weist sie erst ab und sagt: "Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gesandt" (Mt 15,24). Erst nach dem Hinweis der Frau auf die Hündchen, die von den Brocken fressen, welche vom Tisch ihrer Herren fallen, heilt Jesus ihre Tochter.
Die Künstlerin verweist mit diesem Bild auf die Situation in Indien, wo das Leben der Mädchen wenig gilt. Sie will darüber hinaus alle jene ermuntern, die nicht locker lassen und alles daransetzen, dass "Grenzen nicht dicht gemacht" werden.

Maria von Magdala - Apostola Apostolorum

Maria von Magdala, von der Künstlerin als strahlende Frau in rotem Gewand gemalt, schreitet aus dem Licht des Auferstandenen in das Dunkel der Furcht, in dem die Jünger noch angstvoll verharren. "Sie verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte" (Joh 20,18). Was an dieser Geschichte vor allem berührt: der Mut Marias, zur Grabstätte zu gehen, ihre liebende Beharrlichkeit bei der Suche nach dem Leichnam und ihre Beauftragung durch Jesus, das Evangelium von der Auferstehung zu verkünden. Dieser Verkündigungsauftrag trug ihr beim hl. Augustinus die Bezeichnung ein: Apostolin der Apostel.
"Die Rolle der Frauen im Entwicklungsprozess" steht im Mittelpunkt der Fastenaktion Misereor 1990/91. Die zunehmende Armut in den Ländern der sog. Dritten Welt trifft die Frauen am härtesten. Aber nur, wenn Frauen sich selbstverantwortlich und gleichberechtigt am Leben ihrer Gesellschaft beteiligen können, ist eine gerechtere und friedvollere Welt möglich. Das ist die Erkenntnis unserer Partner in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Botschaft

Als Glaubende sind wir herausgefordert zu entdecken, welche Würde und Berufung den Frauen von Gott geschenkt ist und wie ein erlöstes Verhältnis zwischen Frauen und Männern aussieht. Die Bilder des Hungertuches zeigen biblische Frauengestalten, deren vielfältige Gotteserfahrung für unser aller Leben und für die heutige Zeit Frohe Botschaft sein kann.

Das Thema

Jesus verkündete die Frohe Botschaft und sprach: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15). Dabei sprach er oft in Gleichnissen (Mk 4,34). Mittelpunkt des Hungertuches ist eine symbolhafte Darstellung des Gleichnisses Jesu vom Reiche Gottes: "Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau anrührt" (Lk 13,21) und "wie ein Senfkorn, das ein Mann in die Erde steckte" (Lk 13,18). Das Kleine und das Verborgene wächst und bringt reiche Frucht. Gott wird Mensch in der Demut des Sohnes und in der Unscheinbarkeit des Alltags (Kardinal Martini). Die biblischen Gestalten verdeutlichen die Reich-Gottes-Botschaft im Handeln des pilgernden Gottesvolkes.

Die Künstlerin: Lucy D‘Souza aus Indien

 
 
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Last updated 11.01.10